Was bedeutet 100 Meter (10 ATM) wasserdicht und wer hat sich den Sch**ß einfallen lassen?

Jeder, der sich noch nie ausführlich mit Uhren oder Smartwatches befasst hat kennt das Problem: man sieht eine Uhr, liest „30 Meter Wasserdicht“  und denkt man könnte damit bis zu 30 Meter tief tauchen. Aber das stimmt nicht!

Was bedeutet nun 100 Meter wasserdicht?

Beim Wasserdichtetest wird ein Druck erzeugt, der dem Druck in 100 Metern Tiefe entspricht. Allerdings nur dem statischen Druck ohne jegliche Bewegung. Diesem Druck muss die Uhr eine gewisse Zeit standhalten. Bei Bewegungen in Wasser oder durch einen Duschkopf wird jedoch viel höherer, dynamischer Druck erzeugt. Die Regeln für diesen Drucktest werden in der internationalen ISO 22810:2010 oder der deutschen DIN 8310 Norm geregelt. Durch diesen Test werden aber keine realen Schwimm- oder Tauchtiefen definiert, daher hat sich folgende Einteilung eingebürgert:

Wasserdicht

  • 30 Meter
  • 50 Meter
  • 100 Meter
  • 200+ Meter

Prüfdruck

  • 3 Bar
  • 5 Bar
  • 10 Bar
  • 20+ Bar

Geeignet für

  • Hände waschen / Spritzwasser
  • Baden / Duschen
  • Schwimmen / Schnorcheln
  • Tauchen

10 ATM? 10 Bar? 100 Meter wasserdicht? Wie hängt das zusammen?

„ATM“ steht für „physikalische Atmosphäre“ und ist eine Einheit für Druck, die früher gebräuchlich war. Im Uhrenhandel hat sie sich bis heute gehalten. Da sie per Definition nicht genau sein kann (für mehr Information siehe Wikipedia) wurde sie 1978 in Deutschland und Österreich durch die Einheit „Bar“ ersetzt. 1 Bar entspricht etwa dem Luftdruck auf der Erdoberfläche oder einer Wassersäule von 10 Metern Höhe. 10 ATM entsprechen ungefähr 10 Bar, was widerum ungefähr dem Druck entspricht, der in 100 Metern Wassertiefe vorherrscht. Von daher kommt die Bezeichnung „100 Meter wasserdicht“.

Wieso gibt es keine allgemein verständliche Klassifizierung?

Wie weiter oben beschrieben regelt die ISO 22810:2010 Norm nur den statischen Druck, dem eine Uhr widerstehen muss. Im realen Leben ist diese Information allerdings ziemlich wertlos. Wenn du beispielsweise vom Beckenrand flach ins Wasser springst muss die Uhr einem viel höheren Druck standhalten, als wenn du sie im Pool sanft zu Boden gleiten lässt. Im ersten Beispiel ist die Uhr möglicherweise nur 30 cm Wassertiefe ausgesetzt, im zweiten 1,50 Meter. Trotzdem ist der Gefahr eines Wassereintritts beim ersten Beispiel durch den höheren dynamischen Druck viel größer.